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Adipositas

Was ist eine Schlauchmagen-Operation?

Bei der Schlauchmagen-Operation wird der Magen so verkleinert, dass es nur einen schmalen Schlauch bildet.

Das Volumen des Magens wird um 80 bis 90 Prozent reduziert, was zur Folge hat, dass Sie nur noch sehr wenig Nahrung aufnehmen können und in relativ kurzer Zeit viel Gewicht verlieren.

In diesem Beitrag erfahren Sie mehr rund um die Schlauchmagen-OP, ihre Risiken und welche kosten die Krankenkasse übernimmt. 

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Vor- und Nachteile einer Schlauchmagen-OP

Im ersten Jahr nach der Schlauchmagen-OP verlieren Patienten im Durchschnitt 15 bis 25 Prozent ihres Gewichts, was sie zu einer erfolgreichen Operationsmethode bei Adipositas macht.

Für eine 1,70 Meter große Person mit einem Ausgangsgewicht von 120 Kilo bedeutet das, dass sie in einem Jahr etwa 30 Kilo verlieren könnten.

Der Nachteil an der Schlauchmagen-OP ist jedoch, dass sie mit relativ vielen Nebenwirkungen und Nachteilen einhergeht.

Viele Patienten mit einem Schlauchmagen leiden dauerhaft unter Übelkeit, Bauchschmerzen und Sodbrennen, was insbesondere auftritt, wenn zu viel Nahrung aufgenommen wurde.

Außerdem kann sich die Magenwand des verkleinerten Magens im Laufe der Zeit wieder dehnen, sodass mehr Nahrung aufgenommen werden kann und Sie möglicherweise wieder Gewicht zulegen.

Wo liegt der Unterschied zur Magenbypass-Operation?

Sowohl der Schlauchmagen als auch der Magenbypass werden minimalinvasiv, also durch die sogenannte Schlüssellochtechnik, operiert, wodurch weniger Probleme bei der Verheilung entstehen. Abgesehen von dieser Gemeinsamkeit sind die Operationen aber sehr unterschiedlich:

Beim Schlauchmagen wird lediglich der Magen verkleinert, während der Magen beim Magenbypass in zwei Teile geteilt wird und Neuverbindungen zum Dünndarm geschaffen werden. 


SchlauchmagenMagenbypass
VorteileDurch den Erhalt des Verdauungstraktes können Patienten weiterhin Nährstoffe (außer Vitamin B12) aufnehmen. Durch die Verkürzung des Verdauungstraktes verlieren Patienten besonders viel Gewicht, weil weniger Kalorien aufgenommen werden können. Die Blutzuckerwerte von Patienten mit Diabetes Typ 2 können nachhaltig gesenkt werden, sodass antidiabetische Medikamente zum Teil sogar abgesetzt werden können.
NachteileDer Gewichtsverlust ist nicht so stark wir beim Magenbypass, weil weiterhin alle Nahrungsbestandteile aufgenommen werden können. Die Magenwand kann sich wieder ausdehnen, wodurch viele Patienten erneut Gewicht zulegen.Die Genesung dauert bis zu drei Monate. Wenn die Nahrungsergänzungsmittel nicht richtig eingenommen werden, kann es zu Mangelerscheinungen kommen. 

Gut zu wissen: Im Durchschnitt verlieren Patienten mit einem Schlauchmagen 50 bis 60 Prozent ihres Übergewichts, während sie mit einem Magenbypass etwa 70 bis 80 Prozent des überschüssigen Gewichts verlieren. 

Wie hoch sind die Kosten für einen Schlauchmagen?

Eine Schlauchmagen-OP kostet in etwa 10.000 Euro. Darin enthalten ist allerdings nicht nur der Eingriff an sich, sondern auch ein vier- bis fünf tägiger Krankenhausaufenthalt sowie mehrere Termine zur Magenspiegelung, um den Erfolg zu kontrollieren. 

Ist die Schlauchmagen-OP in der Türkei günstiger?

Schlauchmagen OP

Auch wenn die Schlauchmagen-OP in der Türkei deutlich günstiger angeboten wird, ist von einer Operation im Ausland dringend abzuraten.

Der größte Nachteil ist, dass bei einer Behandlung in der Türkei keine hinreichende Nachsorge gewährleistet werden kann. Es ist nach der Schlauchmagen-Operation besonders wichtig, dass Sie regelmäßige Kontrolltermine bei Ihrem Arzt wahrnehmen, um Komplikationen vorzubeugen. 

Erfahrungsgemäß kommt es außerdem häufig vor, dass die Ärzte in türkischen Kliniken Diagnosen dramatischer darstellen als sie sind, und somit Verunsicherung bei Patienten verursachen.

Die Folge: Patienten lassen sich auf unnötige Folgeuntersuchungen oder verlängerte Krankenhausaufenthalte ein, die als Extra-Kosten auf der Abschlussrechnung erscheinen.

Wann zahlt die Krankenkasse den Schlauchmagen?

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für den Schlauchmagen nur im Einzelfall. Hier wird von den Versicherungen sehr genau geprüft, ob Sie die Voraussetzungen erfüllen und ob Sie motiviert genug sind, Ihre Ernährung grundsätzlich zu verändern und sich mehr zu bewegen.

Grundsätzlich erfüllen Sie die Voraussetzungen für eine eventuelle Kostenübernahme, wenn Sie

  • zwischen 18 und 65 Jahren alt sind.
  • einen BMI von mindestens 40 haben.
  • seit mehr als drei Jahren einen BMI von 35 und Begleiterkrankungen haben.
  • einen BMI unter 35, aber gleichzeitig schwere Begleiterkrankungen haben. 
  • nachweisen können, dass Sie mindestens zwei Diätversuche, Kuren oder Rehas erfolglos absolviert haben. 
  • keine schweren Suchterkrankungen, psychiatrischen Erkrankungen oder Stoffwechselerkrankungen haben.
  • nicht schwanger sind. 

Aufpassen: Kosten bei Komplikationen für Privatversicherte

Verhandeln Sie mit Ihrer Krankenkasse auch über die Übernahme von Mehrkosten bei Komplikationen. Viele Krankenkassen, auch private, weigern sich, im Komplikationsfall höhere Kosten durch verlängerte Krankenhausaufenthalte oder weitere Untersuchungen zu tragen.

Gut zu wissen: Falls Ihre Krankenkasse nicht einlenken will, können Sie für Ihre OP eine Folgekostenversicherung abschließen, die Sie vor Mehrkosten in Höhe von mehreren Tausend Euro schützen kann.

Antrag zur Kostenübernahme durch die Krankenkasse stellen

Den Antrag zur Kostenübernahme sollten Sie möglichst gewissenhaft und gründlich bearbeiten, um Ihre Chancen zu erhöhen.

Im Regelfall enthält er einen Fragebogen, in dem Sie Fragen zu Ihrer Gesundheit und der Historie Ihrer Adipositas beantworten. 

Zunächst machen Sie Angaben zu Ihrem Gewicht: 

  • derzeitiges Gewicht
  • bislang höchstes Gewicht
  • Zeitpunkt, seit dem das Übergewicht besteht
  • Wunschgewicht
  • Gewicht vor drei Jahren 

Sie dokumentieren anschließend, welche Diäten Sie von wann bis wann geführt haben und wie erfolgreich Sie jeweils waren.

In diesem Abschnitt werden auch Angaben zur Teilnahme an Ernährungsberatungen, Sportkursen und Verhaltenstherapien gefragt.

Wichtig sind auch die Angaben zu Ihrem Essverhalten, da Sie zum einen für die Wahl der richtigen OP ausschlaggebend sind, zum anderen aber auch mögliche Essstörungen aufdecken können.

Die Angaben zu Vorerkrankungen sollten Sie möglichst genau ausführen, um der Krankenkasse ein umfassendes Bild zu bieten.

Den Abschluss bilden die Informationen zu der Klinik, in der die OP durchgeführt werden soll, dem Zeitpunkt der OP und der Nachbetreuung.

Was sollte der Antrag noch beinhalten?

Neben den Arztberichten, die über Ihre Adipositas und die Begleiterkrankungen informieren, sollte der Antrag weitere Dokumente enthalten:

  • Motivationsschreiben
  • Teilnahmebescheinigung von Abnehmprogrammen, Selbsthilfegruppen, Sportkursen und Ernährungsberatungen
  • Bericht über Psychotherapie
  • Ernährungstagebuch vergangener Diäten

Risiken und Nebenwirkungen beim Schlauchmagen

Bei der Schlauchmagen-OP kann es, wie bei jeder OP, schon während des Eingriffs zu Komplikationen wie Blutungen kommen. Darüber hinaus kann es vorkommen, dass die Nähte an der Magenwand undicht werden, sodass ein erneuter Eingriff erforderlich wird. 

Viele Betroffene leiden nach der Schlauchmagen-OP dauerhaft unter Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen.

Häufig können diese Nebenwirkungen aber durch eine Anpassung der Ernährung gebessert werden.

Wenn Sie zu viel essen, kann es dazu kommen, dass Magensäure zurück in die Speiseröhre fließt, was kurzfristig zu Sodbrennen und langfristig sogar zu Gewebeveränderungen führen kann.

Weil ein Großteil des Magens entfernt wird, kann der Körper außerdem Vitamin B12 nicht mehr in ausreichender Menge aufnehmen, weswegen es lebenslang über Injektionen zugeführt werden muss. 

Wie muss ich mein Leben nach der Schlauchmagen-OP ändern?

schlauchmagen op

Im Anschluss an die Schlauchmagen-OP müssen Sie vor allem Ihre Ernährung grundsätzlich ändern. Zunächst können Sie nur flüssige und breiartige Lebensmittel zu sich nehmen und fangen erst nach Wochen an, wieder feste Kost zu essen.

Generell können Sie nur noch sehr kleine Portionen essen, was vor allem für den Kopf, der üppige Mahlzeiten gewohnt ist, eine große Umstellung bedeutet. 

Besonders wichtig für den Erfolg der Behandlung ist, dass Sie den vom Arzt vorgeschriebenen Diätplan einhalten. Zusätzlich beginnen Sie, sich mehr zu bewegen: Mehr Bewegung im Alltag ist dabei ebenso wichtig wie die Teilnahme an Sportkursen. 

Gut zu wissen: Falls Sie vorhaben, in Zukunft schwanger zu werden, ist der Schlauchmagen eine geeignete Operation für Sie. Das geringere Körpergewicht beugt außerdem Krankheiten wie Thrombose oder Schwangerschaftsdiabetes vor.

Fazit

Ein Schlauchmagen bedeutet für Sie eine große Umstellung im alltäglichen Leben, insbesondere bei der Ernährung. Der Eingriff selbst ist dabei nur der erste Schritt:

Sie müssen langsam lernen, Ihre Ernährung an den neuerdings verkleinerten Magen anzupassen und sollten dazu dringend die Vorgaben Ihrer Ärzte beachten.

Generell sollte ein chirurgischer Eingriff immer die letzte Wahl auf dem Weg zu einem reduzierten Gewicht sein. 

Bin ich adipös?

Fragen Sie sich, ob Sie unter Adipositas leiden? Testen Sie Ihren Body-Mass-Index (BMI) und erfahren Sie in wenigen Sekunden, ob Sie unter-, normal-, ideal- oder übergewichtig sind.

Caro Klein, Adipositas Selbsthilfe

Caro Klein

Gründerin Adipositas Selbsthilfe

Zusammen mit Experten, Ärzten und Ernährungswissenschaftlern betreut Caro den online Auftritt der Adipositas Selbsthilfe. Anfragen: [email protected]

Quellen

  • https://de.wikipedia.org/wiki/Schlauchmagen
  • https://www.gesundheitsinformation.de/operationen-zur-behandlung-von-adipositas.2602.de.html?part=behandlung-vo#6ube
  • https://www.netdoktor.de/krankheiten/adipositas/schlauchmagen/
  • https://www.nordbariatric.com/de/artikel/magenbypass-im-vergleich-zum-schlauchmagen/
  • https://dr-rosenthal.com/patientenaufklaerung-magenbypass-oder-schlauchmagen-operation/
  • https://www.viszera.de/adipositas/kosten/
  • https://ergo-reiseblog.de/reisemedizin/medizinische-versorgung-in-der-tuerkei
  • https://www.dr-gumpert.de/html/kosten_magenbypass.html
  • https://www.adipositas-zentrum-muenchen.eu/images/stories/Adipositas-Bilder/PDF/2019/CHKMB-Hilfe-zur-Antragstellung-MDS-GA-2019.pdf
  • https://www.adipositas24.de/community/index.php?thread/49548-bespiel-antrag-auf-kostenübernahme-magenband/&s=7553920c3ed8dfbc3baf8d7e2231f378244186ed
  • https://www.netdoktor.de/krankheiten/adipositas/schlauchmagen/
  • https://www.nordbariatric.com/de/artikel/was-ist-nach-schlauchmagen-zu-erwarten/